Dirk Schlautmann ist Ausbildungsleiter bei der Dr. August Oetker Nahrungsmittel KG und stellt im Interview sein Azubi-Projekt #azubidigital vor.

u-form: Mit Ihrem Projekt #azubidigital haben Sie den zweiten Platz in der Kategorie Ausbildung beim diesjährigen Personalwirtschaftspreis belegt. Was mir an Ihrem Projekt so gut gefallen hat, ist, dass es keine großen Budgets erfordert und damit auch für andere Ausbildungsbetriebe gut umsetzbar ist. Mögen Sie unseren Lesern Ihr Projekt kurz vorstellen?

Dirk Schlautmann: Sehr gern. Vielleicht direkt dazu eine Bemerkung vorab: Für uns war die Entwicklung unserer Ausbildungsinitiative #azubidigital auch eine völlig neue Erfahrung, weil wir eben nicht erst ein umfassendes Konzept erarbeitet haben, sondern direkt mit der Idee gestartet sind und diese nach dem MVP-Ansatz (Minimum Viable Product) Schritt für Schritt weiter ausgearbeitet haben. 

Bei #azubidigital geht es darum, dass unsere Auszubildenden ergänzend zu ihren jeweiligen klassischen Ausbildungsstationen die digitale Transformation bei Dr. Oetker aktiv mitgestalten und mit eigenen Ideen voranbringen können: Unsere Auszubildenden durchlaufen zusätzlich verschiedene digitale Stationen bei Dr. Oetker und innerhalb der Oetker-Gruppe: Neben Oetker Digital in Berlin und Oetker Daten- und Informationsverarbeitung KG (OEDIV) in Bielefeld sind beispielsweise auch Einsätze in den verschiedenen Start-ups der Oetker-Gruppe möglich. Der genaue Verlauf und mögliche Einsatzgebiete werden dabei natürlich individuell auf die Talente und Ziele unserer Auszubildenden abgestimmt.

u-form: Wie haben denn Ihre Auszubildenden das Projekt angenommen?  

Dirk Schlautmann: Die Initiative #azubidigital gibt unseren Auszubildenden die Chance und den nötigen Freiraum, sich an neuen Themen einfach mal auszuprobieren und eigene Ideen einzubringen – das bringt nochmal eine ganz andere Dynamik und Motivation mit sich. Nehmen wir das Beispiel Reverse Mentoring: Unsere Geschäftsleitung trifft sich in regelmäßigen Abständen mit Azubis, immer im direkten Dialog, um sich über digitale Themen auszutauschen. Das motiviert die Azubis enorm, denn sie können dabei ihr Wissen als „Digital Natives“ direkt weitergeben – ohne Hierarchie, ohne große Agenda. Einfach machen und Wissen austauschen. New Work wollen wir im Unternehmen mit solchen Formaten fördern.

u-form: Sie haben es eben bereits einmal kurz angesprochen: Richtig gut hat mir gefallen, dass Sie Ihren Azubis die Möglichkeit geben, mit dem Inkubator „garage33“ eigene Start-up-Ansätze zu verfolgen. Wie können wir uns das konkret vorstellen?

Dirk Schlautmann: Einmal im Jahr finden in Paderborn in den Räumlichkeiten der Ideenschmiede „garage 33“ unsere Start-up Days statt: Unseren Azubis bietet sich dort die Chance, innerhalb von zwei Tagen in Teams eigene digitale Geschäftsideen zu entwickeln. Innerhalb der besonderen Start-up-Atmosphäre lernen die Auszubildenden mittels zukunftsweisender Lernmethoden, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten und eine innovative Idee realitätsnah voranzubringen. Ihre Konzepte werden dabei nicht nur im Team ausprobiert, sie dürfen auch in Pitch-Situationen innerhalb der verschiedenen Teams sowie gegenüber von Fach- und Führungskräften von Dr. Oetker präsentiert werden. Es waren schon tolle Ideen dabei, die durchaus für die weiteren Schritte geprüft wurden.

u-form: Gibt es einen Tipp, den Sie anderen Unternehmen in Bezug auf das Thema Digitalisierung in der Ausbildung mitgeben möchten?

Dirk Schlautmann: Einfach loslegen und sich etwas trauen. Die Auszubildenden sind mit ihrer Offenheit, ihrem Enthusiasmus und ihrer Affinität für digitale Themen eine tolle Zielgruppe, um neue Formate und Arbeitsweisen zu testen und diese hierarchie- und bereichsübergreifend weiterzuentwickeln. Das bringt beide Seiten voran und zahlt auf die gesamte digitale Transformation bei Dr. Oetker ein.

u-form: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview und natürlich auch noch einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem zweiten Platz.